Heimatgefühle bei Jugendlichen und jungen Menschen mit Migrationsgeschichte

Eine Studierende der F01 stellt ihr ProfiL²-Forschungsprojekt vor

Hast du HeimatgefühleMigration ist seit dem 16. Jahrhundert eng mit dem Thema „Heimat“ verbunden. Mit jedem politischen Ereignis erlebt die Bedeutung des Heimatbegriffs einen Wandel und muss neu diskutiert werden. Und wer könnte besser über die heutigen Einstellungen zu „Heimat“ Auskunft geben als Menschen, die Erfahrungen mit mehreren „Heimaten“ haben, den Wechsel vom Herkunftsland nach Deutschland selbst gemacht haben oder in verschiedenen Ethnien aufgewachsen sind? Was empfinden sie als ihre „Heimat“? Was macht „Heimat“ aus? Woran machen sie das fest? All dies sind Fragen, die auch für das Arbeitsfeld der Sozialen Arbeit von Interesse sind, und die im Rahmen des Braunschweiger Kooperationsprojekts „Heimatgefühle“ thematisiert und untersucht wurden.

Seit 11 Jahren Pendlerin zwischen Braunschweig (Niedersachsen) und Köln (NRW), habe ich selbst eine „Binnenmigration“ erlebt und mir viele dieser Fragen gestellt. Im Rahmen des ProfiL²-Projektseminars „Interkulturelle Soziale Arbeit“ im Studiengang „Soziale Arbeit“ an der Fakultät 01 haben mein Projektteam und ich deshalb die Chance ergriffen, uns dem Braunschweiger Heimatgefühle-Projekt mit einer eigenen Projektarbeit anzuschließen. Fachliche Unterstützung und Begleitung erhielten wir dabei durch unseren Dozenten Dipl.-Sozialarbeiter Bernhard Wilmes M.A.

Disziplinen übergreifend treffen im Braunschweiger Kooperationsprojekt Sozialarbeiter und Sozialpädagogen, Medienpädagogen, Medientechniker, Historiker, Museumspädagogen und Studierende auf interessierte und/oder migrationserfahrene Bürgerinnen und Bürger aller Altersgruppen. Sie alle setzen sich mit dem Thema „Migration und Heimat“ auseinander. Es gibt Ausstellungen, Filmabende, Diskussionsrunden, Workshops, einen Filmwettbewerb und mit unserer Unterstützung auch eine kleine qualitative Sozialforschung. Initiiert und realisiert hat das großangelegte Projekt die Braunschweigische Landschaft e.V. in Zusammenarbeit mit dem Braunschweigischen Landesmuseum, dem Elisabethstift-Jugendhilfe der Diakonie GmbH, der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig, der Ostfalia Hochschule für Angewandte Wissenschaften und nun auch der Fachhochschule Köln.

Im Rahmen unserer Profil²-Projektarbeit haben wir Jugendliche und junge Menschen bis 25 Jahre zu ihren Einstellungen und Gefühlen zu Heimat, Heimatland und anderen Aspekten befragt. Zu diesem Zweck setzten wir uns im Vorfeld mit den unterschiedlichen Definitionen des Heimatbegriffs, mit interkulturellen Theorien und mit Methoden der Sozialforschung auseinander. Schließlich erstellten wir einen teilstandardisierten Interviewfragebogen, der quantitative und offene qualitative Fragen enthielt. Der Fragebogen ging in Printform an die Studierenden vor Ort und wurde als Online-Version auf der Projekthomepage veröffentlicht. In der ProfiL²-Woche führten wir zudem Interviews in Braunschweig durch.

Rückblickend erwies es sich nicht immer als einfach, eigene Ansprüche, Vorstellungen und Erwartungen mit den vielen Kooperationspartnern und auf diese Entfernung abzustimmen. Manches hätten wir uns da schon anders gewünscht. So aber haben wir gelernt: Es braucht mehr Zeit und Einsatz, je mehr Personen an einem Projekt beteiligt sind und je größer die Distanz ist! Und der praxisorientierte Lerneffekt unseres ProfiL²-Projekts ist enorm. Den Prozess der Planung, Operationalisierung und Durchführung in seinen einzelnen Schritten mitzugestalten und zu erleben, ist eine Erfahrung, die sich mir nachhaltig eingeprägt hat. Wir möchten nun den Fragebogen im Projektseminar weitertragen und überlegen, den Fragebogen für die Kölner Region zu verändern und die empirische Forschung hier fortzusetzen.