Interdisziplinäre Projektwoche – Großprojekt (IPWG) an der TH Köln im SoSe 2017

Zum dritten Mal hat sich die TH Köln im Rahmen des hochschulweiten Projektformates Interdisziplinäre Projektwoche – Großprojekt (IPWG) vom 15. bis 19. Mai 2017 dem aktuellen Thema des Wissenschaftsjahres „Meere und Ozeane. Entdecken. Nutzen. Schützen.“[1] gewidmet. Über 500 Studierende aus neun Fakultäten nahmen daran teil.

1. Aufgabe und Ablauf

Der Fokus der Projektwoche lag im Vergleich zu vorangegangenen Veranstaltungen weniger auf der inhaltlichen Entwicklung einer konkreten Projektidee und einem darauf basierenden Projektbericht als vielmehr auf der Reflexion des Gruppenarbeits- und Lernprozesses. Neben einer gemeinsam verfassten Gruppenreflexion über den interdisziplinären Arbeitsprozess musste jedes Gruppenmitglied eine Einzelreflexion über den Kooperationsverlauf und die eigene Rolle innerhalb des Projektteams verfassen.

Unterstützung und Anleitung erfuhren die Studierenden durch Tutorinnen und Tutoren, welche zuvor in einer zweitägigen, extra für das Projekt konzipierten Schulung vorbereitet wurden. Sie begleiteten den Reflexionsprozess und standen in kontinuierlichem Dialog mit ihren jeweiligen Gruppen.

Fachliche Beratung erhielten die 36 Gruppen an zwei verpflichtenden Terminen in der ersten Hälfte der Projektwoche. Am Dienstag, den 16. Mai wurden in der Projektberatung Fragen rund um die Präsentation der Projektidee beantwortet. Am Mittwoch, den 17. Mai präsentierten die Projektgruppen ihre Projektidee, den Arbeitsstand und weitere Planungen dem jeweiligen Gutachterteam. Potenziale, Probleme und Alternativen konnten so rechtzeitig aufgezeigt und diskutiert werden.

Den Abschluss am 19. Mai bildeten eine fünfminütige Präsentation der entwickelten Projektidee mit anschließendem mündlichem Feedback durch die Gutachterteams sowie ein dreißigminütiges Reflexionsgespräch über den in frei bestimmbarer Form vorgestellten Gruppenarbeits- und Lernprozess.

 

2. Feedback

Zahlreiche Studierende hoben im Rahmen der Evaluation den Eindruck hervor, dass sie sich ihren (fachlichen) Stärken und Interessen entsprechend einbringen konnten, obwohl viele von ihnen ihren Fachbereich zunächst nicht mit dem Thema assoziieren konnten. Dabei wurde die Interdisziplinarität als motivierend und herausfordernd wahrgenommen. Ebenfalls positiv wurde die Qualität der Betreuung durch die Tutoren bewertet sowie die Fokussierung auf Reflexionsprozesse als hilf- und lehrreich beschrieben.

Kritik äußerten die Teilnehmer unter anderem an dem aus ihrer Sicht mangelnden Umfang der fachlichen Betreuung. Als Verbesserungsvorschläge wurden Informationsveranstaltungen im Vorfeld des IPWG oder die Organisation weiterer, auch externer Projektpartner genannt.

Die Gutachterinnen und Gutachter bewerteten Organisation, Ablauf, Zeitrahmen und Zeitplan des IPWG weitgehend positiv. Im Vergleich zu früheren IPWG-Durchgängen wurde aus ihrer Sicht die Interdisziplinarität stärker hervorgehoben und daher von den Studierenden bewusster wahrgenommen. Einige Lehrende, besonders die IPWG-Neulinge, waren überrascht, wie unterschiedlich die Denk- und Arbeitsweisen der Kollegen und Kolleginnen aus verschiedenen Disziplinen sind, und mussten zunächst eine gemeinsame Sprachen innerhalb ihrer Gutachterteams finden.

Vorgeschlagen wurde auch hier, dass im Vorfeld bereits Informationsveranstaltungen angeboten werden sollten. Darüber hinaus sprachen die Gutachter die Notwendigkeit der stärkeren Verankerung von Interdisziplinarität in den beteiligten Studiengängen an und forderten eine weitere Fokussierung auf Reflexionsprozesse.

 

3. Ergebnisbeispiel

Neben den Reflexionsdokumenten erarbeiteten die Arbeitsgruppen zahlreiche verschiedene konkrete Projektideen rund um die Nutzung und den Schutz der Meere. Anhand des Konzeptes „Die Insel“ der Projektgruppe 21 wird ein ausgewähltes Beispiel im folgenden kurz vorgestellt.

Ausgehend von der Feststellung eines stetig zunehmendem Containerschiffsverkehrs auf der Nordsee entwickelten die Studierenden ein Konzept zur Optimierung von Distribution und Logistik. Kernelement ist dabei die Errichtung eines Hafens auf hoher See zwischen Großbritannien und den Niederlanden (Die Insel), welcher als zentraler Umschlagplatz und Schnittstelle zwischen dem europäischen und interkontinentalen Containertransport dienen soll. Während der weltweite An- und Abtransport durch große Containerschiffe, sogenannte Superschiffe, abgedeckt wird, stellen kleinere Transportschiffe die Verbindung zu den europäischen Häfen her. Durch diese Trennung von Hochsee- und Küstenverkehr sollen küstennahe (maritime) Lebensräume geschützt, der Schadstoffaustoß in stadtnahen Häfen reduziert und die Beanspruchung der Infrastruktur gemindert werden.

Weitere Informationen zu dieser Projektidee finden Sie in der Präsentation unter IPWG_SoSe 2017_Gruppe21_meere_ozeane_präsentation

 

4. Storytelling und Ausblick

Weitere Eindrücke, Informationen und Kommentare zum IPWG 2017 finden Sie im aktuellen Storytelling des Zentrums für Lehrentwicklung der TH Köln unter http://th-koeln.de/meere-ozeane
Im kommenden Wintersemester wird sich das IPWG in der Projektwoche vom 27. November bis 01. Dezember 2017 dem Thema des nächsten Wissenschaftsjahres „Zukunft der Arbeit“ widmen.

 


[1] Informationen zum Wissenschaftsjahr 2016/2017 finden Sie unter www.wissenschaftsjahr.de/2016-17/