Praxisprojekte in der Logistik – Wie aus Studierenden Mitarbeiter werden

Einmal Gabelstaplerfahren bitte? Nicht ganz. Die Praxisprojekte im Studiengang Logistik, die ganz nach ProfiL²-Verständnis das Thema Praxis in die Lehre bringen, gehen weit darüber hinaus und könnten vielfältiger nicht sein.

Im fünften Semester finden die verpflichtenden Veranstaltungen zu den Praxisprojekten im Studiengang Logistik statt. Studierende werden dabei zu Mitarbeitern eines Unternehmens und führen Projekte durch. Dies war beispielsweise im Rahmen der Arbeit „Stadtmobilität aus Sicht der Wirtschaft“ der Fall. Hier führte eine Gruppe von vier Studierenden für die Industrie- und Handelskammer zu Köln einen Desk Research durch, um aktuelle Konzepte zu Themen aus der Stadtmobilität zusammenzutragen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Der Bericht, erweitert durch Umfragen und Expertenmeinungen, floss in den Projektbericht, den die IHK Köln initiiert und die TH Köln umgesetzt hat, ein.

Es standen aber auch andere Inhalte auf dem Plan. In einem Praxisprojekt zur Materialflussanalyse bei der Yazaki Systems Technologies GmbH im Kölner Norden untersuchte eine weitere Gruppe von Studierenden unterschiedliche Möglichkeiten der Optimierung der Kanban-Regelkreise zur Materialversorgung der Produktion bei Ford. Ziel der Untersuchung war es, die Effizienz der bisherigen Abläufe zu ermitteln und Optimierungspotentiale ausfindig zu machen. Kanban, japanisch für Karte oder Tafel, ist ein wichtiger Bestandteil des Lean Managements und dient beispielsweise der Senkung der Herstellungskosten und der Erhöhung der Lieferbereitschaft. Eine solche Karte enthält unter anderem Informationen über das Produkt, das es zu transportieren gilt. Transport kann auch die Ein- und Umsortierung im eigenen Lager bedeuten, wie die Studierendengruppe bei einem Geschäftspartner der Yazaki Systems Technologies GmbH zeigen konnte. Die Gruppe hat die Laufwege der Mitarbeiter untersucht und Verbesserungsvorschläge angebracht. Statt den Arbeitsprozess chronologisch durchzuführen, können zum Beispiel durch eine gleichzeitige Bedarfsermittlung von Waren in den Regalbeständen und einer Leergutmitnahme Laufwege gespart werden oder durch neue Kennzahlen die Nachschubprozesse verbessert werden.

Auch bei der ALFRED TALKE GmbH & Co. KG konnte eine Gruppe von drei Studierenden einen tiefen Einblick in die Bestandsführung der Waren gewinnen. Ziel der Aufgabe war es, eine Umstellung von der Bestandsführung in eine Lagerverwaltung theoretisch zu durchdenken und mit Anwendungsbeispielen zu belegen. Dies bedeutet, dass freie Lagerkapazitäten im Rahmen einer Automatisierung des Lagerprozesses direkt ersichtlich sein sollen. Die besondere Herausforderung ist dabei die große Heterogenität der Waren in der chemischen Industrie sowie eine Vielzahl von Regeln und Verboten zur Stapelbarkeit und gemeinsamer Lagerung chemischer Produkte – die Sicherheit steht hier immer im Mittelpunkt. Nach Aufnahme des Ist-Zustandes entwickelten die Studierenden eine Reihe von Lösungsansätzen. So könnten die Waren in Produktgruppen eingeteilt werden, wodurch eine Unterscheidung der Waren beispielsweise über deren Maße oder Pack-Art möglich wäre.

Wie hier zu sehen ist, konnten die Studierenden in ihren Praxisprojekten nicht nur Praxisluft schnuppern, sondern auch tiefgehende interdisziplinäre Einblicke in relevante Arbeitsbereiche aus der Logistik gewinnen. Und wer weiß, vielleicht haben die Studierenden ja ihren späteren Arbeitgeber kennengelernt? Eine Reihe von Studierenden verbringt jedenfalls jetzt schon ihr Praxissemester bei dem Praxispartner.