Von der Digitalen Bibliothek bis zum GamingRaum – Das ProfiL²-Projekt „Berufsfelderkundung“

Innovative Dienstleistungen und spielerisches Lernen

Im Rahmen der ProfiL²-Berufsfelderkundung im Wintersemester 2015/16 konnten die Studierenden des ersten Semesters Bibliothekswissenschaften informative und spannende Einblicke in verschiedene Bereiche des Bibliothekswesens gewinnen. Die Projektgruppen „hbz“ und „Stadtteilbibliothek Köln-Kalk“ lernten dabei die Vielfalt digitaler Angebote kennen.

Das ProfiL²-Projekt Berufsfelderkundung

Aufgeteilt in insgesamt 16 Projektgruppen besuchten die Erstsemester verschiedenste Bibliotheken im Köln-Bonner Raum. Nach gezielten Recherchen im Vorfeld des eintätigen Besuchs trafen sie in den Einrichtungen leitende Mitarbeiter zu einem Interview und einem Blick hinter die Kulissen. Die gesammelten Informationen über die Arbeitsweisen, Organisationsstrukturen und Besonderheiten der Bibliotheken bereiteten die Gruppen in Form von Plakatpräsentationen auf. So hatten die Studierenden die Möglichkeit, sich selbst und ihren Kommilitonen einen guten Einblick in die mannigfaltigen Arbeitsgebiete von Bibliothekaren zu verschaffen.

Das hbz

(von Kathrin Klein, BIW 1)

Bei der Themenauswahl fanden wir das Hochschulbibliothekszentrum als Verbundzentrale sehr interessant, hatten aber längst keine Vorstellung davon, was diese Einrichtung tatsächlich alles leistet. – Vor Ort erwarteten uns drei MitarbeiterInnen, eine ungemein umfangreiche Präsentation und etwas mehr als zwei Stunden Zeit, um uns nur einen kleinen Überblick über die zahlreichen, komplexen Aufgaben und Angebote der Verbundzentrale zu geben. Jede Menge Input, viele Informationen, die es zu ordnen galt, um Außenstehenden ein adäquates Bild zu vermitteln.

Was macht das hbz konkret? Um eine Bibliothek mit physischem Bestand handelt es sich nicht. Vielmehr bietet das hbz seinen Verbundbibliotheken Hilfe bei der Bewältigung ihrer Aufgaben an und sorgt durch eigene Entwicklungen, aber auch durch Kooperationen mit externen Partnern für zukunftsfähige Dienste.

Die Zahl der teilnehmenden Bibliotheken ist seit 1973 von fünf auf 55 gestiegen; dazu kommen etwa 1000 Instituts- u. Fachbereichsbibliotheken: Viele Daten, die sinnvoll und planmäßig gepflegt und ergänzt werden wollen. Dabei stellt die Verbunddatenbank die wichtigste bibliothekarische Dienstleistung dar: Teilnehmende Bibliotheken profitieren hierbei von den Synergieeffekten der gemeinsamen Katalogisierung und Erschließung, was letztlich natürlich auch bedeutet, dass das Angebot der Bibliotheken leichter den Endnutzern zur Verfügung gestellt wird. Die Verbunddatenbank (in ihr sind 19 Mio. Titelnachweise und 42 Mio. Bestandsdaten nachgewiesen sowie die ZDB, GND und die Nordrhein-Westfälische Bibliographie integriert) bildet außerdem die Grundlage für zahlreiche weitere Produkte und Dienste des hbz.

So bildet sie beispielsweise die Datenbasis für den Bereich Linked Open Data in diversen Endnutzerportalen und bietet eine Plattform für die Online-Fernleihe. Des Weiteren lassen sich mit dem Rechercheportal DigiBib, welches auch die TH Köln für ihre Bibliotheken nutzt, parallel ca. 570 Kataloge und Fachdatenbanken durchsuchen. Wichtige Angebote sind außerdem: DigiLink, welcher eine dauerhafte Linkverwaltung und Darstellung elektronischer Ressourcen ermöglicht, sowie die DigiAuskunft, durch welche Nutzeranfragen online durch E-Mail oder ein Chatmodul von Bibliothekaren bearbeitet werden können.

Ein besonderer Service ist die konsortiale Erwerbung, in der sich Bibliotheken unter der Verhandlungsführung des hbz zusammenschließen, um günstigere Konditionen für Lizenzen und digitale Produkte zu erhalten. Die Verbundzentrale arbeitet zudem an Modelllösungen zum Thema Langzeitarchivierung. Als Alleinstellungsmerkmal ist die Bibliotheksstatistik, welche die Daten von ca. 14300 teilnehmenden Bibliotheken aus ganz Deutschland in Bezug auf Personal, Bestände, Etat etc. auswertet und somit als Werkzeug für Zukunftsprognosen fungiert.

Mit unserem Besuch beim hbz haben wir einen Ausblick auf die Bedeutung der digitalen Entwicklung für den Beruf des Bibliothekars erhalten und sind durch die ausführliche Präsentation und Beantwortung unserer Fragen darauf aufmerksam geworden, welch eine für den Endnutzer nicht sichtbare Arbeit im Verbund nötig ist, um die moderne digitale Recherche und die Entleihe möglich zu machen.

Plakat der Projektgruppe "hbz"

Plakat der Projektgruppe „hbz“

 

Die Stadtteilbibliothek Köln-Kalk

(von Klara Verburg, BIW 1)

Unsere Praxisstelle im Rahmen der Projektwoche war die Stadtteilbibliothek in Köln-Kalk. Für diese Zweigstelle hatten wir uns entschieden, weil es dort ein in Kölner Bibliotheken einzigartiges Angebot gibt: Den sogenannten GamingRaum.

Während unseres Besuchs erläuterte uns eine Mitarbeiterin ausführlich das Konzept und das umfangreiche Angebot des GamingRaums:

Vier Konsolen (u.a. Wii U, Xbox One, Playstation 4) stehen Kindern und Jugendlichen zur Verfügung. Neben der Möglichkeit zum individuellen Spiel bietet die Bibliothek auch verschiedene Veranstaltungen an. Neben gelegentlichen Gaming-Turnieren gibt es regelmäßige Spieletestergruppen, in der 12-15 Teilnehmer im Alter von 12-16 Jahren gemeinsam mit einem Medienpädagogen ein Spiel spielen und bewerten. Nach zwei bis drei Terminen setzen sich alle zusammen und stellen eine Empfehlung aus, in der auf die Grafik, die Spielsteuerung und auch die Eignung für die angegebene Altersstufe eingegangen wird. Der Pädagoge erstellt daraus anhand von Richtlinien und einem Bewertungssystem eine professionelle Beurteilung und stellt sie auf der Internetseite des Spieleratgebers NRW der Öffentlichkeit zur Verfügung.

Eine weitere Besonderheit ist das Alpha-Studio. Dieses ist aus dem Programm PAGES entstanden und bietet Menschen, die Probleme mit der deutschen Sprache haben, die Möglichkeit, mit Hilfe von ehrenamtlichen Paten und des Programms „Ich will lernen“ ihre Sprachfähigkeiten zu verbessern. Neben PCs steht für diesen Zweck eine Kiste mit Materialien zur Verfügung, eine von insgesamt vier in ganz Köln. Die Alpha-Station ist in dieser Bibliothek besonders wichtig, da sie in einem Viertel liegt, in der viele Menschen mit Migrationshintergrund oder geringem Einkommen leben. Entsprechend ist auch das Gesamtprogramm der Stadtteilbibliothek Kalk ausgerichtet, so gibt es etwa viele Bücher in verschiedenen Sprachen und auch die Möglichkeit, in der Bibliothek Hausaufgaben zu machen.

Nach unserem Gespräch mit der Mitarbeiterin führte uns die Leiterin der Stadtteilbibliothek durch die restlichen Räume und vermittelte uns einen Eindruck von den Organisationsstrukturen. So erfuhren wir unter anderem, dass die Teilstellen der Stadtbibliothek Köln alle zentral verwaltet werden. Auch die Beschaffung läuft zentral, nur die Romane werden in den Teilstellen bestellt. Dies ermöglicht es der Kalker Bibliothek, mit nur vier Mitarbeitern auszukommen; zwei Bibliothekaren und zwei Famis (Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste). Samstags werden diese noch durch eine studentische Hilfskraft unterstützt.

Die Mitarbeiterinnen sind sehr gut auf unsere Fragen eingegangen sind und haben uns viele nützliche Informationen über die Stadtteilbibliothek Kalk gegeben. Dabei kam neben dem Lerneffekt der Spaß nicht zu kurz. Den durchweg positiven Eindruck rundete ein kleines Geschenk in Form einer Tasse ab. Für uns steht daher fest: Wir werden wiederkommen!

Plakat der Projektgruppe "Stadtteilbibliothek Köln-Kalk"

Plakat der Projektgruppe „Stadtteilbibliothek Köln-Kalk“