Workshop „Wissenschaftliches Schreiben“ mit den Studierenden zweier Proseminare im 3. Semester des Bachelorstudiengangs „Mehrsprachige Kommunikation“

Projektbericht aus der ProfiL²-Projektwoche: Am Institut für Translation und Mehrsprachige Kommunikation haben Studierende unter der Leitung von Cornelia Dahmer einen auf ihre Proseminare abgestimmten Intensiv-Workshop zum wissenschaftlichen Schreiben besucht.

Die Ausgangssituation

Im 3. Studiensemester werden die Studierenden des Bachelorstudiengangs „Mehrsprachige Kommunikation“ in Proseminaren an das wissenschaftliche Arbeiten herangeführt und schreiben ihre erste Seminar-Arbeit. Die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Seminarthema ließ in bisherigen Semestern nur wenig Zeit für praktische Informationen zum wissenschaftlichen Schreiben und entsprechende Übungen. Als Folge begannen viele Studierende erst kurz vor dem Abgabetermin (in der vorlesungsfreien Zeit) mit der Planung ihrer Hausarbeit. Bei den notwendigen Vorarbeiten ebenso wie beim Schreiben waren sie so unter Umständen auf sich allein gestellt, was nicht selten zu vermeidbaren Fehlern führte.

Die Ausgangsfrage lautete: Wie könnten die Studierenden schon früher im Semester zu einer Auseinandersetzung mit den Anforderungen des wissenschaftlichen Schreibens angeregt werden? Wie könnte dabei (1) berücksichtigt werden, dass einzelne Studierende bereits über Vorkenntnisse in Teilbereichen verfügen, (2) erreicht werden, dass Teilnehmende verschiedener Proseminaren mit unterschiedlichen Themen zusammenarbeiten und dennoch nicht bloß „Trockenübungen machen“, sondern schon mit der Arbeit am Hausarbeitsthema beginnen und (3) ein Schreibprodukt greifbares Ergebnis des Workshops und zugleich sinnvolles Teilziel für die Erstellung der Hausarbeit sein?

Bei der Vorbereitung des Workshops beriet im Rahmen einer Multiplikatorenschulung Maria Anna Worth vom Zentrum für außerfachliche Qualifikation und Wissenschaftliche Weiterbildung (ZaQwW), die auch Materialien für die Durchführung zur Verfügung stellte.

Wie sah die Lehrveranstaltung konkret aus?

Learning Outcome: Die Studierenden sollen eine wissenschaftliche (Haus-)Arbeit bis hin zum Schreiben eines aussagekräftigen Exposés planen und vorbereiten können. Dies sollen sie erlernen, indem sie (a) ihre Vorkenntnisse und -erfahrungen reflektieren und geeignete Schreib-, Motivations- und Zeitplanungstechniken erproben, (b) ihr Hausarbeitsthema eingrenzen, eine passende Forschungsfrage formulieren und eine vorläufige Gliederung entwerfen, (c) Fachliteratur zum Hausarbeitsthema sichten und in der eigenen Literaturverwaltungs-Datenbank dokumentieren sowie eine Literaturliste erstellen, (d) anhand von Beispieltexten textstrukturierende Elemente und stilistische Besonderheiten wissenschaftlicher Texte sowie Konventionen der Zitation und des Quellenbelegs erarbeiten und (e) erste Texte und schließlich ein Kurz-Exposé zu ihrer geplanten Hausarbeit verfassen.

Ablauf der Lehrveranstaltung: Meine beiden, unterschiedlichen Themen gewidmeten Proseminare liefen in den sechs Wochen vor der Profil²-Woche insofern parallel, als die Studierenden beider Gruppen bereits zur orientierenden Literaturrecherche und zur Entscheidung für ein Hausarbeitsthema angeregt wurden. Der Schreibworkshop selbst umfasste täglich zu konstanten Zeiten je zwei aufeinanderfolgende Sitzungen, die jeweils einem Teil-Thema gewidmet waren. Eine erste Sitzung diente dazu, die beiden Proseminargruppen über gegenseitige Vorstellungen der Hausarbeitsthemen und gemeinsame Reflexion über das Schreiben miteinander bekanntzumachen und in das Thema einzusteigen. Die folgenden Sitzungen führten in mehreren Arbeitsschritten von der Themeneingrenzung zum Exposé. Integriert waren eine Schulung zur Literaturrecherche unter Leitung von Reinhard Poche von der Hochschulbibliothek und eine Schulung zu Literaturverwaltungssoftware unter Leitung von Hans-Jürgen Esch (Institut für Translation und Mehrsprachige Kommunikation, Lehrgebiet Informationstechnologie). Der letzte Tag war für Einzelberatungstermine reserviert. In der zweiten Hälfte des Proseminars werden die Studierenden ihre Schreibprojekte als „work in progress“ in Kurzreferaten vorstellen.

Welche Antworten ergaben sich auf die o. g. Ausgangsfrage? Dass das Thema „Hausarbeit schreiben“ durch die Workshop-Teilnahme trotz des noch entfernten Abgabetermins stärker ins Bewusstsein rückte, zeigte sich schon am Ende des ersten Workshop-Tages an den vielen diesbezüglichen Fragen der Studierenden. Im Laufe der Woche reflektierten sie mehrfach mündlich und schriftlich den aktuellen Stand ihres Schreibprojektes, wobei in den meisten Fällen deutliche Fortschritte sichtbar wurden.

Zu Teil (1) der Ausgangsfrage: Um eine Wiederholung bereits bekannter Inhalte zu vermeiden und an vorhandenes Wissen anknüpfen zu können, wurden in der ersten Sitzung die Vorkenntnisse der Teilnehmenden erhoben. Zudem wurde der Ablaufplan vor Beginn bekanntgegeben, so dass Studierende, die z. B. bereits an einer inhaltsgleichen Schulung der Hochschulbibliothek teilgenommen hatten, diesen Teil auslassen konnten.

Zu Teil (2) der Ausgangsfrage: Die gemeinsame Arbeit mit zwei Proseminar-Lerngruppen ließ sich positiv nutzen für Übungen, bei denen das eigene Thema einer Person ohne Vorkenntnisse verständlich erläutert werden sollte. Mehrfach wurde den Studierenden die Gelegenheit gegeben, während der Sitzungen für kurze Schreibphasen individuell am eigenen Hausarbeitsprojekt zu arbeiten. Bei anderen Übungen wurden zum Teil abwechselnd wissenschaftliche Texte zum Thema des einen und des anderen Proseminars als Übungsmaterial eingesetzt, zum Teil aber auch auf vorgefertigte Materialien ohne thematischen Bezug zu den Hausarbeiten zurückgegriffen.

Zu Teil (3) der Ausgangsfrage: Als Produkt, auf das in dem Workshop hingearbeitet wurde, bot sich das Exposé an: Erstens handelt es sich um die Darstellung eines Schreibprojektes in Planung, weswegen die Studierenden darin alle in dem Workshop erfolgten Arbeitsschritte abschließend zusammenfassen können. Zweitens können sie daran das wissenschaftliche Schreiben an einem zunächst ausschließlich für den betreuenden Dozenten bestimmten Text erproben. Drittens schließlich bietet ein vorläufiges Exposé eine gute Ausgangsbasis für das abschließende Beratungsgespräch ebenso wie für einen strukturierten Beginn der eigentlichen Schreibphase.

Weitere Schritte Aus Rückmeldungen der Studierenden ergibt sich ein Änderungsbedarf vor allem in folgenden Punkten: Erstens sollte kontinuierliches Feedback während des Workshops den Studierenden von der ersten Sitzung an die Einschätzung ihres Wissenstandes und Lernerfolgs ermöglichen. Zu diesem Zweck könnten etwa kürzere Schreib- und Recherche-Übungen gegenseitig oder durch die Dozentin korrigiert und kommentiert (Lob – Kritik – ggf. Verbesserungsvorschläge) werden, während der Präsenzphasen oder auch von einem Tag auf den anderen. Zweitens sollte für die integrierten Schulungen (Literaturrecherche, Literaturverwaltungssoftware) schon vorab im Workshop jeweils ein auf die Hausarbeit bezogener Arbeitsauftrag gestellt werden (Fachliteratur zum Thema finden! Datensätze zu den gefundenen Titeln erstellen!). Dies könnte einen stärkeren Anreiz schaffen, die erlernten Techniken umgehend anzuwenden und so besser im Gedächtnis zu verankern. Drittens sollte der bisher noch fehlende Teil-Bereich „Lesen wissenschaftlicher Texte“ in das Programm aufgenommen werden.

Literatur

Esselborn-Krumbiegel, Helga (2004): Von der Idee zum Text. Eine Anleitung zum wissenschaftlichen Schreiben. 2. Aufl. Paderborn: Schöningh.

Oertner, Monika et al. (2014): Wissenschaftlich schreiben. Ein Praxisbuch für Schreibtrainer und Studierende. Paderborn: Fink.

Ulmi, Marianne et al. (2014): Textdiagnose und Schreibberatung. Fach- und Qualifizierungsarbeiten begleiten. Opladen: Budrich.

Ein Artikel von: Cornelia Dahmer